Notausgang blockiert

Notausgang blockiert!

Im Brandfall zählt jede Sekunde! Wenn es brennt wollen alle ein: raus! Daher muss der Notausgang schnell zu erkennen und erreichbar sein. Doch was, wenn der Notausgang, wie in den folgenden Beispielen aus unseren Brandschutzbegehungen, blockiert ist?

Notausgang blockiert

Im Ernstfall kann es fatale Folgen haben, wenn die Notausgänge für die Flüchtenden nicht erkennbar oder sogar blockiert sind. Das zeigen Beispiele aus der Vergangenheit, wie das Feuer im Nachtclub „The Station Nightclub“.

Die Brandkatastrophe im Nachtclub The Station ereignete sich am 20. Februar 2003 kurz nach 23:00 Uhr in der Kleinstadt West Warwick (Rhode Island) an der Nordostküste der USA. Obwohl Rettungskräfte innerhalb weniger Minuten an dem Nachtclub eintrafen, kamen infolge des sich schnell ausbreitenden Feuers 100 Menschen ums Leben, weitere 230 wurden verletzt. (YouTube Video: https://www.youtube.com/watch?v=9e_19dUezCQ – Nichts für schwache Nerven).

Im Schadenfall zieht dies strafrechtliche Folgen (u.a. fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung) nach sich.

Doch auch das Blockieren der Notausgänge, ohne Schadensereignis, ist kein Kavaliersdelikt. Seit 2010 wird das nicht freihalten von Flucht- und Rettungswegen als Ordnungswidrigkeit eingestuft und mit einer Geldstrafe von bis zu 5000€ geahndet.

Zudem gilt nach Strafgesetzbuch §145 Abs. 2

„(2) Wer absichtlich oder wissentlich
1. die zur Verhütung von Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr dienenden Warn- oder Verbotszeichen beseitigt, unkenntlich macht oder in ihrem Sinn entstellt oder
2. die zur Verhütung von Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr dienenden Schutzvorrichtungen oder die zur Hilfeleistung bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr bestimmten Rettungsgeräte oder anderen Sachen beseitigt, verändert oder unbrauchbar macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 303 oder § 304 mit Strafe bedroht ist.

Auch im privaten Bereich müssen Notausgänge sicher verwendbar sein. Der Focus berichtet hierzu: „So dürfen z.B. Haustüren von Mehrfamilienhäusern nicht abgeschlossen werden. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main entschieden (Az.: 2-13 S 127/12). Die Begründung: Eine verschlossene Haustür behindert den Fluchtweg und kann die Bewohner in Gefahr bringen, wenn sie den Schlüssel nicht gleich parat haben. Der Schutz von Leben und Gesundheit ist aber wichtiger als das Sicherheitsbedürfnis der Bewohner (Focus Artikel). Als mögliche Alternative kann ein Panikschloss in die Haustür eingebaut werden, die es ermöglicht, diese immer von innen ohne Schlüssel zu öffnen.

Und wer trägt im Unternehmen die Verantwortung für den Brandschutz?

Das erfahren Sie in unserem Blogbeitrag Verantwortung im Brandschutz

Räumungsübung

Planung von Räumungsübungen

Planung von Räumungsübungen

Im Sinne eines wirkungsvollen betrieblichen Brandschutzes kommt der Überprüfung der gesetzten Ziele eine hohe Bedeutung zu. Daher sollten in regelmäßigen Abständen Räumungsübungen durchgeführt werden, deren Ziel ist es, Mängel in der Brandschutzorganisation aufzudecken und das Verhalten der Personen im Gebäude nach einer Alarmierung gemäß den Vorgaben der Brandschutzordnung zu trainieren.

Planung_Räumungsübung

Nach Inkraftsetzung der Brandschutzordnung empfiehlt es sich, grundsätzlich drei Räumungsübungen im Abstand von drei bis vier Monaten durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt ist zu berücksichtigen, dass die Mitarbeiter Verhaltensregeln und Handlungsanweisungen für den Brandfall erst noch kennenlernen und verinnerlichen müssen.

Die erste Räumungsübung dient dazu, die Regeln der Brandschutzordnung durch die Mitarbeiter umzusetzen. Somit liegt das Ziel der ersten Übung nicht in der Reduzierung der realen Räumungsdauer.

Der Zeitpunkt der ersten Räumungsübung wird den Personen im Gebäude bekannt gegeben. Somit erhalten alle Personen die Möglichkeit, sich im Vorfeld über die festgelegten Verhaltensregeln zu informieren.

Anschließend wird der Räumungsablauf ausgewertet. Auf Grundlage der hieraus gewonnenen Erkenntnisse ist es zu empfehlen die Mitarbeiter, besonders die Brandschutz- und Evakuierungshelfer, weitergehend zu schulen.

Nach Verstreichen der oben genannten drei bis vier Monate empfehlen wir eine zweite Räumungsübung durchzuführen, bei der lediglich die Kalenderwoche bekannt gegeben wird. Ziel dieser zweiten Übung ist es, das Gelernte zu vertiefen und zu prüfen, wo Mängel in der Organisation vorliegen.

Nach weiteren drei bis vier Monaten empfehlen wir dann eine dritte, unangekündigte Räumungsübung durchzuführen.

1.Räumungsübung

Beobachter

Bei der Planung ist zu berücksichtigen, an welchen Stellen innerhalb und außerhalb des Gebäudes Beobachter positioniert werden, um ein möglichst großes Spektrum an Eindrücken und Informationen zu erhalten. Bei der ersten Räumung sollten sich die Beobachter erfahrungsgemäß auf wichtige Kriterien beschränken.

Dazu zählen:

  • Wie wird geräumt? (geordnet oder ungeordnet)
  • Reagieren alle Mitarbeiter auf den Räumungsalarm?
  • Ist die Alarmierung zu hören?
  • Wie reagieren die Räumungshelfer?
  • Finden die Mitarbeiter den Sammelplatz?
  • Wie verhalten sich die Mitarbeiter am Sammelplatz?
  • Wie erfolgt die Ermittlung der Anwesenheit am Sammelplatz?
  • Haben die technischen Alarmierungseinrichtungen funktioniert?
  • Wie haben sich Nichtbetriebsangehörige verhalten?

Der Einsatzort der Räumungsbeobachter sollte von dem Planungs- und Organisationsteam gut gewählt werden. Als Beobachtungsstandorte bewährt haben sich Sammelplätze, Treppenräume in der Nähe von Aufzügen, Aufenthalts- und Sozialräume sowie Produktionshallen Standorte, an denen eine gute Rundumsicht möglich ist. Die Beobachter bearbeiten einen vorgefertigten Fragenkatalog, welcher jedoch auch die Möglichkeit beinhaltet, besondere Beobachtungen zu vermerken. Dabei ist die Aufgabe des Beobachters nicht, nur Negatives zu vermerken, sondern auch Positives zu notieren.

Räumungsübung

Neben den Räumungsbeobachtern gibt es weitere Personen mit Sonderaufgaben. Hierzu zählen beispielsweise der Brandschutzbeauftragte oder Sicherheitsdienst sowie die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Diese Personen sollten sich einen Überblick über die Gesamtsituation verschaffen und sich eventuell zusätzlich zu den Beobachtern an markanten Punkten (z.B. BMZ) während der Räumung positionieren.  

Dokumentation

Es ist wichtig, möglichst viele Informationen zu dokumentieren. Als Anhaltspunkte bei der Dokumentation dienen die Antworten auf die oben genannten Fragen. Die Ergebnisse der Räumungsübung werden im Rahmen der nächsten Brandschutzunterweisung aufgegriffen, gemeinsam mit der Belegschaft werden dann Optimierungsmöglichkeiten in der Organisation des Räumungsablaufes ermitteln.

Vor- und Nachbesprechung

Als gute Einrichtung bei der ersten Räumungsübung hat sich die Vorbesprechung erwiesen. Daran sollten neben dem Planungs- und Organisationsteam die Beobachter, die Räumungshelfer, ein Vertreter der Geschäftsführung, der Brandschutzbeauftragte und bei Bedarf der Betriebs- oder Personalrat teilnehmen. Hier werden die einzelnen Aufgaben und der geplante Ablauf der Räumungsübung besprochen. Im Laufe der Zeit reduziert sich der Teilnehmerkreis, bis letztlich nur noch der Brandschutzbeauftragte mit dem Planungs- und Organisationsteam die Räumung vorab bespricht.

Die Nachbesprechungen hingegen sind hingegen fester Bestandteil einer Räumungsübung. Bei dieser können direkt nach der Räumung positive wie auch negative Punkte besprochen und ausgetauscht werden. Der Teilnehmerkreis besteht mindestens aus dem Planungs- und Organisationsteam, dem Vertreter der Geschäftsführung und den Räumungshelfern.

Durchführung der Räumung

Nachdem die Planungs- und Organisationsphase für die Räumung abgeschlossen ist, sind alle Vorraussetzungen geschaffen, die Räumung durchzuführen. Im Anschluss an die angesetzte Nachbesprechung sind die getroffenen Entscheidungen und Verbesserungen umzusetzen und deren Wirksamkeit bei der nächsten Räumungsübung zu überprüfen. Mit der regelmäßigen Durchführung von Räumungsübungen erhöht sich die Sensibilität der Mitarbeiter und das Fehlerpotential wird nach und nach vermindert, so dass das Unternehmen oder die Einrichtung immer besser auf den Ernstfall vorbereitet ist.

Ablauf der Erstellung einer Brandschutzordnung

Ablauf der Erstellung einer Brandschutzordnung

In dieser Infografik möchten wir Ihnen gerne den Ablauf der Bearbeitung einer Brandschutzordnung vorstellen.

Prozess Erstellung der Brandschutzordnung

Wir legen als Experten für Brandschutz großen Wert auf die Individualität der Brandschutzordnung. Um Ihnen ein Maximum an Rechtssicherheit bieten zu können, erarbeiten wir eine auf Ihr Unternehmen zugeschnittene Lösung. Daher können wir Ihnen hier keine Pauschalpreise angeben.

Auf Anfrage erhalten Sie kostenlos ein individuelles und unverbindliches Angebot. Nutzen Sie hierzu auch unser Online-Formular.

Der Preis für eine Brandschutzordnung hängt dabei unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Art des Unternehmens (z.B. Produktionsbetrieb, Kindertagesstätte, Schule, Chemiebetrieb, Pflegeheim, etc.)
  • Größe und Komplexität des Unternehmens (ggf. kann es sinnvoll sein, für unterschiedliche Teilbereiche individuelle Brandschutzordnungen zu erstellen)
  • Personengruppen in Ihrem Betrieb (z.B. mobilitätseingeschränkte Personen, Kinder, Besucher, etc.)
  • Bisherige Brandschutzorganisation (z.B. ist ein Brandschutzbeauftragter bestellt, der für Rückfragen zu Verfügung steht?)
  • Vorhandensein eines aktuellen Brandschutzkonzeptes
  • Vorhandensein eines aktuellen Räumungskonzeptes
  • Können Planunterlagen zu Verfügung gestellt werden? (z.B. Feuerwehrplan, Flucht- und Rettungspläne, etc.)

Gerne Beraten wir Sie auch bei der Einführung und Optimierung Ihrer betrieblichen Brandschutzorganisation.

Aufgaben des Brandschutzbeauftragten

In diesem Beitrag möchte ich Sie darüber informieren, welche Bedeutung, Qualifikation und Verantwortung ein Brandschutzbeauftragter hat.

Damit Sie als Unternehmens- oder Betriebsführer ihren Pflichten im Brandschutz verantwortungsvoll und nachhaltig erfüllen können, benötigen die durch den Gesetzgeber, Versicherungsträger oder Vertagspartner angesprochene Entscheidungsträger Unterstützung durch eine fachkundige Beratung in Fragen des Brandschutzes. Diese Beratung muss eine fundierte Grundlage für die Entscheidungen der Unternehmens- und Betriebsführung bieten.

In Anhängigkeit von den in der Risikoanalyse aufgezeigten Gefährdungen kann die Bestellung eines oder mehrerer Brandschutzbeauftragter erforderlich werden. Grundsätzlich kann in jedem Objekt bzw. Unternehmen ein Brandschutzbeauftragter bestellt werden.

Die Notwendigkeit zur Bestellung eines Brandschutzbeauftragten ergibt sich

  • für bestimmte Arbeitsstätten aus §10 (2) des ArbSchG
  • aus bestimmten Sonderbauvorschriften oder
  • über zusätzliche Anforderungen der Genehmigungsbehörden im Baugenehmigungsverfahren
Norm/Richtlinie Erläuterung
Muster-Industriebaurichtlinie (MIndBauRL) „Der Betreiber eines Industriebaus mit einer Summe der Geschossflächen von insgesamt mehr als 5.000 m² hat einen geeigneten Brandschutzbeauftragten zu bestellen.“
Muster-Hochhausrichtlinie (MHHR) „Der Eigentümer hat einen geeigneten und mit dem Hochhaus und dessen technischen Einrichtungen vertrauten Brandschutzbeauftragten zu bestellen und der Brandschutzdienststelle zu benennen.“
Muster-Beherbergungsstättenverordnung (MBeVO) Keine direkte Forderung nach einem Branschutzbeauftragten – für die Einhaltung der Anforderungen des betrieblichen Brandschutzes nach MBeVO ist jedoch der Betreiber oder ein Beauftragter zuständig.
Muster-Verkaufsstättenverordnung (MVKVO) „Der Betreiber einer Verkaufsstätte hat einen Brandschutzbeauftragten […] zu bestellen.“
Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättV) Der Betreiber oder ein von ihm Beauftragter hat im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle eine Brandschutzordnung und gegebenenfalls ein Räumungskonzept aufzustellen. Darin sind die Erforderlichkeit und die Aufgaben eines Brandschutzbeauftragten und der Kräfte für den Brandschutz […] festzulegen.

Aufgaben und Pflichten des Brandschutzbeauftragten

Der Brandschutzbeauftragte ist für den Bereich des betrieblich-organisatorischen Brandschutz zuständig und berät Geschäftsführung, Führungskräfte und Mitarbeiter in brandschutzrelevanten Fragen.

Die Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten werden in der DGUV Information 205-003 beschrieben.

Aufgaben des Brandschutzbeauftragten

 

Eine grundlegende und wichtige Aufgabe des Brandschutzbeauftragten ist unter Anderem die Erstellung und Fortschreibung der Brandschutzordnung. Wichtige Tipps zur Erstellung der Brandschutzordnung erhalten Sie in unserem Blogbeitrag. 

 

Notwendigkeit von Flucht- und Rettungsplänen

Notwendigkeit von Flucht- und Rettungsplänen

Die Notwendigkeit von Flucht- und Rettungsplänen findet sich in einer Vielzahl von Gesetzestexten und Sonderverordnungen bzw. Sonderrichtlinien.

Im folgenden werden Ihnen einige der wichtigen Gesetze und Vorschriften, die Flucht- und Rettungspläne vorschreiben, aufgeführt.

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
    • §3 Grundpflichten des Arbeitgebers
    • §10 Erste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen
  • Arbeitsstättenverordnung
    • §4 Besondere Anforderungen an das Betreiben von Arbeitsstätten
  • Begründung zur Arbeitsstättenverordnung
  • Empfehlung des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung zur Aufstellung von Flucht- und Rettungsplänen
  • Bundes-Immisionsschutzgesetz (BImSchG)
  • DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention
  • ASR A1.3 – Technische Regel für Arbeitsstätten
  • Muster-Beherbergungsstättenverordnung (M-BeVO)
  • Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR)
  • Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättV)
  • Muster-Verkaufsstättenverordnung (MVkVO)

Doch auch dort, wo Flucht- und Rettungspläne nicht in Gesetzen und Sonderverordnungen vorgeschrieben werden, können sie im Baugenehmigungsverfahren von der Bauordnungsbehörde bzw. der Brandschutzdienststelle als zusätzliche Bauauflage gefordert werden.

Bei Gebäuden besonderer Art oder Nutzung (Sonderbauten) gehören Flucht- und Rettungspläne zu den Standard-Maßnahmen des betrieblichen und organisatorischen Brandschutz. Diese sind immer dann erforderlich, wenn in einem solchen Gebäude mit einer größeren Zahl von ortsunkundigen Personen gerechnet werden muss.

Flucht- und Rettungspläne müssen gemäß DIN ISO 23601 Abschnitt 5i immer auf dem neusten Stand sein.
Außerdem muss jede Veränderung der baulichen Anlage oder der Brandschutz- und Notfallmaßnahmen zu einer Überprüfung und erforderlichenfalls zu einer Überarbeitung der Flucht- und Rettungspläne führen.
Die Verantwortung hierfür trägt grundsätzlich der Unternehmer. Genaueres über die Verantwortung im Brandschutz erfahren Sie hier in unserem Blogbeitrag. 

 

Verantwortung im Brandschutz

Die Verantwortung im Brandschutz trägt der Unternehmer.

Die Bekämpfung und Verhütung von Entstehungsbränden stellen ein Interesse sowie eine Aufgabe aller im Unternehmen beschäftigten Personen dar. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Unternehmerinnen und Unternehmer bzw. die Leiterin und Leiter eines Standortes tragen die Verantwortung für die Erreichung der gesetzlich sowie von der Versicherung und betriebsintern vorgegebenen Schutzziele im Betrieb.

Schutzziele im betrieblichen Brandschutz

Ziel ist es, die gesetzlich geforderten Schutzziele zu erfüllen und somit die Rechtssicherheit zu gewährleisten. Die Schutzzieldefinition ergibt sich insbesondere aus der Bewertung folgender Komponenten:

  • Mögliche Gefahren für Leib und Leben
  • Betriebliche Aspekte (z.B. Produktion, Logistik, Störfallvorsorge, Image, Arbeitsplätze)
  • Risikotechnische Aspekte (z.B. Standortsicherheit, Redundanzen, Lieferverpflichtungen, Wettbewerb)
  • Versicherungstechnische Aspekte (z.B. Versicherbarkeit, Wertbelastung, Prämienfindung, Sachschutzinteresse)

Über die gesetzlichen Schutzziele (im Wesentlichen Personen- und Umweltschutz bis hin zum Nachbarschaftsschutz, etc.) hinaus, haben Unternehmen in der Regel zusätzliche spezifische Schutzzielinteressen wirtschaftlicher bzw. finanzieller Art wie z.B.:

  • Kapitalerhalt und Gewinnsicherung,
  • Lieferfähigkeit, der Marktpräsenz und des Images,
  • Eigentums-, Sach- und Vermögensschutz,
  • Arbeitsplätze,
  • Kosten-Nutzen-Optimierung

Verantwortung im Brandschutz

Wie bereits beschrieben, ist der Unternehmer für den Brandschutz in seinem Betrieb verantwortlich. Er muss daher Aufgaben, die sich aus dieser Verantwortung ergeben, erfüllen. Da der Unternehmer dies in der Regel nicht alleine bewältigen kann, muss er eine innerbetriebliche Struktur aufbauen, um im Hinblick auf den Brandschutz Rechtssicherheit zu erreichen. Im deutschen Regelwerk und der sich darauf beziehenden Literatur gibt es Anhaltspunkte, wie eine solche Brandschutzorganisation sinnvoll aufzubauen ist. Im Folgenden stellen wir Ihnen einen möglichen Aufbau vor.

Verantwortung des Unternehmers

Der Unternehmer als oberste Stufe ist verantwortlich für alle Belange rund um den Brandschutz. Er trägt daher auch die Verantwortung für die Sicherheit der Beschäftigten. Zwar kann der Unternehmer diese Aufgaben an nachgeordnete Führungskräfte delegieren, entbindet sich aber dadurch nicht der Verantwortung. Er hat weiterhin seine Pflichten im Brandschutz nachzukommen. Das sind im Einzelnen:

  • Aufbau einer geeigneten Brandschutzorganisation,
  • Auswahl geeigneter Funktionsträger (z.B. Brandschutzbeauftragter, Brandschutz- und Evakuierungshelfer),
  • schriftliche Bestellung des Brandschutzbeauftragten mit klarer Aufgaben-, Kompetenz- und Berichtspflichtenzuweisung,
  • Kontrolle der Führungskräfte, Funktionsträger,
  • Festlegung der Kommunikationswege,
  • Sicherstellung der Behebung von festgestellten Brandschutzmängeln,
  • innerbetriebliche Dokumentation aller getroffenen Maßnahmen.

Ablauforganisation

Die Ablauforganisation dient dazu, logisch-zeitliche Abfolgen innerhalb der Brandschutzorganisation zu regeln. Sie beinhaltet daher beispielsweise Hilfsmittel wie:

  • Ablaufbeschreibungen
  • Verfahrensanweisungen,
  • Checklisten,
  • Formulare,
  • Management-Software

Daraus ergeben sich mehrere Aufgaben, die nachfolgend dargestellt werden:

Information und Unterweisung

Die Mitarbeiter sind regelmäßig zu informieren und zu unterweisen. Hier ist analog den bekannten Regelwerken der Arbeitsschutzvorschriften zu verfahren, die eine mindestens jährliche Information bzw. Unterweisung der Mitarbeiter fordern. Inhalt dieser Unterweisung ist das Vorschriften- und Regelwerk zum Brandschutz. Dazu gehören die einschlägigen Gesetze, Verordnungen und Vorschriften. Grundvoraussetzung ist die regelmäßige Prüfung, welche Neuerungen und Änderungen sich in den Regelwerken zum Thema Brandschutz ergeben haben. Dabei ist sicher zu stellen, dass die Informationen zielgruppengerecht aufgearbeitet werden, um sie dann durch die Verantwortlichen verständlich vermitteln zu können.

Aus- und Fortbildung

Ein wesentlicher Bestandteil einer funktionierenden Brandschutzorganisation ist die richtige Aus- und Fortbildung der für den Brandschutz eingesetzten Funktionsträger.

Zum Beispiel empfiehlt es sich nach der Auswertung der Räumungsübung, sowie den durchgeführten Audits, die daraus gewonnen Erkenntnisse den Mitarbeitern, insbesondere den Brandschutz- und Evakuierungshelfern in einer Folgeunterweisung mitzuteilen. Dadurch können eventuell ermittelte Verbesserungspotentiale unmittelbar in der Praxis umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.

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Mit der Ausbildung eines Brandschutzbeauftragten erhielt dieser die notwendige Sachkunde zur Ausübung seiner Aufgaben. Wie alle Sachkundigen muss dieser sein Fachwissen auf dem aktuellen Stand halten. Gerade im Bereich des Brandschutzes stellen sich durch neue technische Standards, rechtliche Vorgaben oder auch die sich ständig ändernden betriebsbedingten Brandrisiken im Unternehmen immer wieder neue Anforderungen an die Brandschutzbeauftragten. Nach der DGUV Information 205-003 „Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten“ muss die Fachkunde eines Brandschutzbeauftragten den aktuellen Erfordernissen sowie den sich ändernden Regelwerken und Vorschriften entsprechen. Demnach ist für den Brandschutzbeauftragten eine regelmäßige Fortbildung notwendig und zur qualifizierten Aufgabenbewältigung erforderlich. Dazu muss die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber dem Brandschutzbeauftragten die erforderliche Fortbildung unter Berücksichtigung der betrieblichen Belange ermöglichen.

Gemäß der DGUV I 205-003 sind innerhalb von drei Jahren mindestens 16 UE à 45 Minuten an Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen. Dies entspricht etwa einer zweitägigen oder zwei eintägigen Veranstaltungen.

Räumungsübungen

Im Sinne eines wirkungsvollen betrieblichen Brandschutzes, kommt der Überprüfung der gesetzten Ziele eine hohe Bedeutung zu. Daher sollten in regelmäßigen Abständen Räumungsübungen (vgl. Abb. 1) durchgeführt werden. Diese sind eine der Möglichkeiten um Mängel in der Brandschutzorganisation aufzudecken und haben das Ziel, das Verhalten der Personen im Gebäude nach einer Alarmierung gemäß den Vorgaben der Brandschutzordnung zu trainieren.

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Nach Inkraftsetzung der Brandschutzordnung empfiehlt es sich, grundsätzlich drei Räumungsübungen im Abstand von drei bis vier Monaten durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt ist zu berücksichtigen, dass die Mitarbeiter Verhaltensregeln und Handlungsanweisungen für den Brandfall erst noch kennenlernen und verinnerlichen müssen.

Die erste Räumungsübung dient dazu, die Regeln der Brandschutzordnung durch die Mitarbeiter umzusetzen. Somit liegt das Ziel der ersten Übung nicht in der Reduzierung der realen Räumungsdauer.

Der Zeitpunkt der ersten Räumungsübung wird den Personen im Gebäude bekannt gegeben. Somit erhalten alle Personen die Möglichkeit, sich im Vorfeld über die festgelegten Verhaltensregeln zu informieren.

Anschließend wird der Räumungsablauf ausgewertet. Auf Grundlage der hieraus gewonnenen Erkenntnisse ist es zu empfehlen, die Mitarbeiter, besonders die Brandschutz- und Evakuierungshelfer, weitgehend zu schulen.

Nach Verstreichen der oben genannten drei bis vier Monate empfehlen wir eine zweite Räumungsübung durchzuführen, bei der lediglich die Kalenderwoche bekannt gegeben wird. Ziel dieser zweiten Übung ist es, das Gelernte zu vertiefen und zu prüfen, wo Mängel in der Organisation vorliegen. Nach weiteren drei bis vier Monaten empfehlen wir dann eine dritte, unangekündigte Räumungsübung durchzuführen.

Die Folgeübungen dienen der Vertiefung des Gelernten sowie dem Aufspüren und Beseitigen von Mängeln in der brandschutztechnischen Organisation.

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Audits

Regelmäßige Begehungen durch die für den Brandschutz eingesetzten Personen sind unerlässlich und müssen laut Laschisky bei kleinen und mittelständischen Betrieben mindestens einmal im Quartal durchgeführt werden. Bei Großbetrieben sind die Begehungen an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Sie dienen dazu, Schwachstellen im Brandschutz aufzuzeigen, die Behebung von Schwachstellen zu kontrollieren und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Anschließend ist an die zuständige Führungskraft Bericht zu erstatten (Laschinsky L. O. & Wiemann U. (2015). Brandschutzbeauftragter, FeuerTRUTZ, Köln).

Um im weiteren Verlauf die festgestellten Mängel und deren Maßnahmen auf Wirksamkeit zu überprüfen, werden weitere Audits durchgeführt. Eine Aufgabe des Brandschutzbeauftragten ist es, Maßnahmen (Lösungsvorschläge) vorzubereiten, sodass die nicht immer brandschutztechnisch ausgebildeten Vorgesetzten oder Verantwortlichen eine Entscheidungsgrundlage erhalten. Die Verantwortlichen haben die Entscheidung zu treffen, welche vorgefundenen Mängel mit welchen vorgeschlagenen Maßnahmen in welchem Zeitraum erledigt werden. Sollte keine Reaktion seitens des Verantwortlichen erfolgen, hat der Brandschutzbeauftragte wiederholt und regelmäßig auf die Mängel und die Notwendigkeit ihrer Behebung hinzuweisen. Dies kann beispielsweise bei den regelmäßigen Arbeitsschutzausschusssitzungen erfolgen. Damit wird der Brandschutzbeauftragte seiner Beratungsfunktion gerecht. Diesbezüglich empfiehlt es sich, mindestens einen viertel-jährlichen Intervall der Brandschutzaudits zu etablieren. Innerhalb dieses Zeitraumes werden sowohl technische als auch organisatorische Mängel im Brandschutz identifiziert und dokumentiert.

Die Umsetzung der vorbereiteten Maßnahmen dienen dazu, das Unternehmen und/oder den Betrieb “am Leben” zu erhalten indem

  • die Produktions- und Lieferfähigkeit aufrecht erhalten,
  • die Marktstellung erhalten,
  • der Imageverlust vermieden,
  • die Sach- und Vermögenswerte sichergestellt und
  • die Kreditwürdigkeit bewahrt werden.

Um eine adäquate und lösungsorientierte Mängelbeseitigung durchzuführen, schlägt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einem Leitfaden für die Verantwortlichen im Betrieb und Unternehmen (VdS 2009 : 2008-01 (02)) ein Modell eines risikogerechten und schutzzielorientierten Brandschutzmanagements vor.

brandschutzmanagementsystem

Prozessmanagement

Im weiteren Ausblick ist eine Weiterentwicklung der Brandschutzorganisation sinnvoll. Die Brandschutzordnung (Teil A, B und C) sollte gelebte Kultur im Unternehmen werden. Hierfür müssen Rückmeldungen auf die verteilten Entwürfe aufgenommen und mit den Brandschutzhelfern des Unternehmens diskutiert, bewertet und erneut integriert werden. Eine so verabschiedete Brandschutzordnung, sollte dann Grundlage für Prozess- und Verfahrensbeschreibungen (z.B. für Evakuierungsfälle) werden.

Die Eignung der Brandschutzorganisation ist durch die Unternehmensleitung zu prüfen.

In der Rechtsprechung wurde das betriebliche Organisationsverschulden als Unterfall der unerlaubten Handlung nach §823 Abs. 1 BGB entwickelt. Demnach haftet die Unternehmensleitung, wenn sie versäumt hat, allgemeine organisatorische Anordnungen zu treffen. Das betriebliche Organisationsverschulden kennt drei Formen:

  • Selektionsverschulden: Dieses liegt vor, wenn ein Unternehmen die Verantwortung an ungeeignete Mitarbeiter delegiert.
  • Anweisungsverschulden: Arbeitsanweisungen fehlen oder sind lückenhaft.
  • Überwachungsverschulden: Kontrollen werden gar nicht oder lückenhaft durchgeführt.

Um eine klare Grundlage der Rechtssicherheit zu erreichen, ist es notwendig, entsprechende STRUKTUREN der Brandschutzorganisation zu schaffen und Verantwortlichkeiten und Aufgaben zu definieren.

Wie die folgende Grafik zeigt, erfordert die Entwicklung und Einführung einer geeigneten Brandschutzorganisation einen hohen Arbeitsaufwand für den Brandschutzbeauftragten.

arbeitsaufwand-brandschutzbeauftragter

Bei der Einführung der betrieblichen Brandschutzorganisation ist daher eine strukturierte Vorgehensweise unerlässlich. Als Arbeitsansatz kann die Einführung des betrieblichen Brandschutzes als Konzept betrachtet werden. In diesem bilden konzeptionelle Überlegungen das Grundgerüst der Brandschutzordnung und werden im weiteren Verlauf mit Inhalt und Leben gefüllt. Der Vorteil der konzeptionellen Vorgehensweise bei der Erstellung und Einführung einer Brandschutzordnung liegt darin, dass sich Aufgaben, Zuständigkeiten, organisatorische Abläufe und weitere Regelungen sowohl objektspezifisch als auch allgemeingültig darstellen lassen.

Brandschutzordnung Teil A

Die Brandschutzordnung nach DIN 14096

WIE ERSTELLE ICH EINE NORMGERECHTE BRANDSCHUTZORDNUNG (BSO)?

Das Erstellen einer baurechtlich geforderten Brandschutzordnung ist eine wichtige, und durch den heutigen hohen Anspruch der Behörden eine Aufgabe, die mehr Zeit in Anspruch nimmt, wie anfangs vielleicht gedacht. Nicht für alle Gebäude ist die Erstellung einer Brandschutzordnung bundeseinheitlich vorgeschrieben. So wird beispielsweise in arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften die Erstellung einer Brandschutzordnung nicht generell gefordert. In einigen Bundesländern sehen die Rechtsvorschriften konkrete, gemeinsam mit der zuständigen Behörde abgesprochene Brandschutzordnungen für Unternehmen, die meist öffentlich erreichbar bzw. zugänglich sind, vor. Hier finden Sie Unterstützung und Hilfestellung zur Erstellung einer normgerechten und Ihrem Unternehmen spezifisch angepassten Brandschutzordnung.

Effektiver Brandschutz, wozu auch die Brandschutzordnung zählt, kann im Ernstfall Leben retten, schützt  Investitionen und vermindert die Auswirkungen eines Brandes. Der wirtschaftliche und finanzielle Schaden wird in Grenzen gehalten, Brandfolgeschäden werden entsprechend reduziert. Zudem besteht der Vorteil, dass Versicherungen Risiken günstiger bewerten, wenn entsprechende Maßnahmen, wie z.B. eine Brandschutzordnung, vorgewiesen werden können.

Vor Beginn der Erstellung steht man oft vor vielen offenen Fragen:

Was ist eine Brandschutzordnung? Gibt es eine Norm für die Erstellung einer Brandschutzordnung? Wer darf eine erstellen? Was ist der Inhalt? Was ist zu beachten? Hier finden Sie Antworten zu Ihren Fragen.

DEFINITION:

Der vorbeugende Brandschutz besteht aus drei Säulen. Dem baulichen Brandschutz, dem technischen Brandschutz und dem organisatorischen Brandschutz. Der organisatorische oder betriebliche Brandschutz regelt die Abläufe im Unternehmen – wie der Name schon sagt – auf organisatorische Art und Weise, wozu auch die Brandschutzordnung gehört.

Eine Brandschutzordnung, kurz im Fachkreis auch BSO genannt, ist eine spezifisch auf ein bestimmtes Objekt zugeschnittene Zusammenstellung von Regeln für die Brandverhütung und das Verhalten im Brandfall (Brandmeldung, Rettung, Brandbekämpfung).

NORMEN:

Für die richtige Erstellung einer Brandschutzordnung gilt die Norm „DIN 14096; Brandschutzordnung – Regeln für das Erstellen und das Aushängen“.

ERSTELLUNGSBERECHTIGTE:

Jede fachkundige Person hat die Berechtigung eine Brandschutzordnung zu erstellen. Wer ist eine fachkundige Person?  Eine Person, die aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung, Kenntnisse, Erfahrungen und Tätigkeiten die ihr übertragenen Prüfungen sachgerecht durchführen und mögliche Gefahren erkennen und beurteilen kann (z. B. ein Brandschutzbeauftragter).

INHALT:

Eine Brandschutzordnung gliedert sich in drei Teile:

Die Brandschutzordnung Teil A besteht aus dem Aushang mit schlagwortartigen Anweisungen beziehungsweise Hinweisen und ergänzenden graphischen Sicherheitszeichen zur Brandverhütung und für das Verhalten im Brandfall.

Die Brandschutzordnung Teil B (für Personen ohne besondere Brandschutzaufgaben) richtet sich an die Personen (zum Beispiel Bewohner, Beschäftigte), die sich nicht nur vorübergehend in einer baulichen Anlage aufhalten.

Die Brandschutzordnung Teil C (für Personen mit besonderen Brandschutzaufgaben) richtet sich an Personen, denen über ihre allgemeinen Pflichten hinaus besondere Aufgaben im Brandschutz übertragen sind (zum Beispiel Brandschutzbeauftragte, Sicherheitsingenieure).

Auszug aus DIN14096:2014-05

Individuelle objektspezifische Erstellung:

Eine Brandschutzordnung für ein Unternehmen wird immer individuell nach den notwendigen Brandschutzmaßnahmen erstellt, die sich anhand der Nutzung, den Gefahren oder aufgrund von speziellen Personengruppen (z.B. Behinderte) ergeben. Aber auch wenn die Brandschutzordnung individuell für ein Gebäude erstellt wird, gibt es Grundsätze, die immer zu beachten sind. Und genau mit dem Erstellen und dem Aushängen der Brandschutzordnung beschäftigt sich die DIN 14096.

ERSTELLUNG TEIL A:

Je nach Art, Nutzung und Größe der baulichen Anlage darf im Ausnahmefall und im Einvernehmen mit der für den Brandschutz zuständigen Dienststelle nur der Teil A erstellt und auf das Erstellen der Teile B und C verzichtet werden.  Auszug aus DIN14096:2014-05

In unserem kostenfreien Download finden Sie hier eine Checkliste für die Erstellung Ihrer Brandschutzordnung Teil A.

Bitte beachten Sie zudem:

Aushang mindestens im Format A4

Sind fremdsprachige Texte erforderlich, empfiehlt die DIN, analoge Aushänge in der erforderlichen fremden Sprache.

Hier finden Sie Teil A kostenfrei zum downloaden in mehreren Sprachen

ERSTELLUNG TEIL B:

Dieser Teil der Brandschutzordnung besteht aus schriftlich abgefassten Hinweisen und Verhaltensregeln zur Verhinderung von Rauchausbreitung, Freihaltung der Flucht- und Rettungswege und Hinweisen zum Verhalten im Brandfall und anderen Gefahren.

Schrift und graphische Gestaltung ist hier freigestellt.

GLIEDERUNG UND INHALT ZU TEIL B:

Laut DIN muss der Inhalt in Abschnitte mit den Überschriften in nachstehender Reihenfolge a) bis m) gegliedert sein. Nicht zutreffende Abschnitte dürfen entfallen, andere Abschnitte sind nicht zulässig.

  1. a) Einleitung;
  2. b) Brandschutzordnung (Darstellung des Teils A (Aushang));
  3. c) Brandverhütung;
  4. d) Brand- und Rauchausbreitung;
  5. e) Flucht- und Rettungswege;
  6. f) Melde- und Löscheinrichtungen;
  7. g) Verhalten im Brandfall;
  8. h) Brand melden;
  9. i) Alarmsignale und Anweisungen beachten;
  10. j) in Sicherheit bringen;
  11. k) Löschversuche unternehmen;
  12. l) Besondere Verhaltensregeln;
  13. m) Anhang.

Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten sollte in a) bis m) in der Regel folgendes enthalten sein:

Zu jedem einzelnen Abschnitt ist der exakte Inhalt in der DIN14096 aufgeführt.

HIER MÖCHTE ICH IHNEN EINIGE ZUSÄTZLICHE ZU BEACHTENDE PUNKTE ZU TEIL B MITTEILEN:

In größeren Betrieben kann es notwendig sein, für einzelne Bereiche unterschiedliche Brandschutzordnungen B zu verfassen. Unter Umständen können auch fremdsprachige Übersetzungen erforderlich sein. Fremdsprachige Übersetzungen des deutschen Textes sind zulässig, wenn sie sich vom deutschen Text deutlich abheben.

Ergänzung zu d) Brand- und Rauchausbreitung:

Unter diesem Abschnitt kann auch eine Grundrisszeichnung eingefügt werden, aus der hervorgeht, welche Brand- und Rauchschutzanlagen vorhanden sind. Außerdem muss festgelegt werden, wer befugt ist, Rauch- und Wärmeabzugsanlagen in Tätigkeit zu setzen, bzw. Lüftungs- und Klimaanlagen ausschaltet

Ergänzung zu e) Flucht- und Rettungswege:

Hier müssen Sammelplätze, wenn nicht bereitst definiert, festgelegt und benannt werden.

Ein Sammelplatz ist ein sicherer Anlaufpunkt im Ernstfall, daher sollte er gut durchdacht sein.

Was ist hier zu beachten? Sinnvoll ist es in der Regel da einen Sammelplatz festzulegen, wo eventuell zurückgelassene Personen sofort festzustellen sind. Dieser sollte außerhalb vom Gebäude liegen, in einer sicheren Entfernung von der Gefahrenstelle, wie auch brandlastigen Bereichen oder Gebäuden und möglichst eine befestigte Fläche haben.

Hier finden Sie als Hilfestellung eine Checkliste mit Fragen zu Ihrem Unternehmen über dessen betrieblichen Besonderheiten, sowie der betrieblichen Brandschutzmaßnahmen zur Erstellung von Teil B.

ERSTELLUNG TEIL C:

Die Brandschutzordnung C wird seltener benötigt. Je nach Unternehmen kann es jedoch erforderlich sein, daß ein Brandschutzbeauftragter vorhanden sein sollte, dann sollte auch eine Brandschutzordnung C Nach DIN 14096 Teil 3 vorhanden sein.

GLIEDERUNG UND INHALT ZU TEIL C:

Laut DIN muss der Inhalt wie in Teil B in Abschnitte mit den Überschriften in nachstehender Reihenfolge a) bis h) gegliedert sein. Nicht zutreffende Abschnitte dürfen entfallen, andere Abschnitte sind nicht zulässig.

  1. a) Einleitung;
  2. b) Brandverhütung;
  3. c) Meldung und Alarmierungsablauf;
  4. d) Sicherheitsmaßnahmen für Personen, Tiere, Umwelt und Sachwerte;
  5. e) Löschmaßnahmen;
  6. f) Vorbereitung für den Einsatz der Feuerwehr;
  7. g) Nachsorge;
  8. h) Anhang.

Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten sollte in a) bis h) in der Regel folgendes enthalten sein:

Zu jedem einzelnen Abschnitt ist der exakte Inhalt in der DIN DIN14096 aufgeführt.

HIER MÖCHTE ICH IHNEN EINIGE ZUSÄTZLICHE ZU BEACHTENDE PUNKTE ZU TEIL C MITTEILEN:

Ist ein Brandschutzbeauftragter im Unternehmen?

Ein Brandschutzbeauftragter ist eine vom Arbeitgeber schriftlich beauftragte und speziell ausgebildete Person, die in einem Unternehmen den betrieblichen Brandschutz wahrnimmt. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt dabei beim vorbeugenden Brandschutz.

Verfügt der Arbeitgeber über keinen eigenen Brandschutzbeauftragten oder kann keine eigene Mitarbeiter ausbilden, ist ein externer Brandschutzbeauftragter zu beauftragen.

Sie möchten Ihre Mitarbeiter oder sich selbst zum Brandschutzbeauftragten ausbilden? Dann Informieren Sie sich hier.

Sind Brandschutzhelfer benannt? Laut ASR 2.2 ist für Büros eine Anzahl von 5% der Mitarbeiter als Brandschutzhelfer ausreichend. Handelt es sich um andere Arbeitsbereiche soll die Anzahl der Brandschutzhelfer mit einer Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden.

Der Brandschutzhelfer ist nicht primär für das Löschen eines Brands zuständig – mit der Ausnahme von Entstehungsbränden, soweit für den Brandschutzhelfer keine Eigengefährdung vorliegt. Der Brandschutzhelfer sorgt darüber hinaus für eine gesicherte Evakuierung des Unternehmens im Falle eines Brandes, fungiert als Einweisung und Ansprechpartner für die Feuerwehr und ist eine wichtige Unterstützung bei dem vorbeugenden Brandschutz im Unternehmen.

Hier finden Sie als Hilfestellung eine Checkliste mit Fragen zu Ihrem Unternehmen über dessen betrieblichen Besonderheiten, sowie der betrieblichen Brandschutzmaßnahmen zur Erstellung von Teil C.

Es empfiehlt sich, die Brandschutzordnung mit der zuständigen, örtlichen Feuerwehr abzustimmen.

Unabhängig von der aufgenommenen Pflicht, die Brandschutzordnung mind. alle zwei Jahre auf Aktualität zu prüfen, gilt die Pflicht, diese stets auf einem aktuellen Stand zu halten. Dies bedeutet, wenn es zu Änderungen oder Ergänzungen hinsichtlich der Brandschutzmaßnahmen (Unternehmensablauf order bauliche Anlagen) kommt, die Brandschutzordnung umgehend zu überarbeiten ist.

Die Mitarbeiter sind über die Inhalte der Brandschutzordnung zu unterweisen, ferner ist ihnen die Brandschutzordnung auszuhändigen. Damit gewährleistet ist, dass die Mitarbeiter stets über die aktuelle Brandschutzordnung verfügen, empfiehlt sich eine schriftliche Bestätigung der Unterweisung und der Aushändigung von jeder einzelnen Person.

Übergangsregelung zu den Sicherheitszeichen DIN 4844-3 (veraltete Norm/Vorschrift) und DIN ISO 23601 (aktuelle Norm/Vorschrift):

Es gibt z.T. erhebliche Unterschiede bei den Bildzeichen zwischen den alten und aktuellen Vorschriften für die Sicherheits- und Gesundheitskennzeichnung in Gebäuden. Kommt der Verantwortliche (Arbeitgeber, Betreiber usw.) im Rahmen einer Gefährdungsanalyse zum Ergebnis, dass die vorhandenen Rettungs- und Brandschutzzeichen gem. DIN 4844-3 vorläufig bleiben können, ist zu beachten, dass innerhalb eines Gebäudes alte und neue Zeichen nicht vermischt angebracht werden dürfen und die Bildzeichen in der Brandschutzordnung den im Gebäude angebrachten Zeichen entsprechen müssen.

Alle sagten: Es geht nicht. Da kam einer, der das nicht wusste und tat es einfach.(Goran Kikic)

Haftungsausschluss: Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für die Richtigkeit, Fehlerfreiheit, Aktualität und Vollständigkeit der bereitgestellten Inhalte keine Haftung übernommen wird.

Drehleiter als zweiter Rettungsweg

Fluchtweg oder Rettungsweg

In diversen Vorschriften taucht einmal der Begriff „Fluchtweg“ ein anderes mal der Begriff „Rettungsweg“ und ein weiteres mal der Begriff „Flucht- und Rettungsweg“ auf. Doch wo liegt der Unterschied zwischen diesen Begriffen? Dieser Frage gehen wir in diesem Beitrag nach.

Rettungsweg

Weg, über den Rettungskräfte zu den in Not befindlichen Personen vordringen können, um von diesen unmittelbare Gefahr abzuwenden.

Retten = abwenden eines lebensbedrohenden Zustandes

Beispiele:

  • Notwendiger Flur
  • Notwendige Treppe mit notwendigem Treppenraum
  • nicht notwendige Treppen
  • Notleitern
  • Rettungsgeräte der Feuerwehr

Das Anlegen von Rettungswegen zählt zu den Maßnahmen des baulichen Brandschutzes. Der Rettungsweg soll es den Rettungskräften ermöglichen, Personen aus einer Gefahrenlage zu befreien. Für jede Nutzungseinheit mit mindestens einem Aufenthaltsraum müssen in jedem Geschoss mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie vorhanden sein.

Fluchtweg

Weg für die Flucht der Bewohner, Beschäftigten, Kunden und anderer Personen. Über diesen weg können Sie sich selbst in Sicherheit bringen.

Beispiele:

  • Notwendiger Flur
  • Notwendige Treppe mit notwendigem Treppenraum
  • nicht notwendige Treppen
  • Notleitern

Definition nach ASR A2.3 Fluchtwege und Notausgänge, Flucht und Rettungsplan

„Fluchtwege sind Verkehrswege, an die besondere Anforderungen zu stellen sind und die der Flucht aus einem möglichen Gefährdungsbereich und in der Regel zugleich der Rettung von Personen dienen. Fluchtwege führen ins Freie oder in einen
gesicherten Bereich. Fluchtwege im Sinne dieser Regel sind auch die im Bauordnungsrecht definierten Rettungswege, sofern sie selbstständig begangen werden können.“ [ASR A2.3 (Ziff. 3.1)]

Angriffsweg

Weg, den die Feuerwehr benutz, um Menschen und Tiere zu retten, Sachwerte zu bergen und einen Brand zu bekämpfen bzw. Gefahr abzuwenden.

 

Erster Rettungsweg

Der erste Rettungsweg muss immer baulich sein – also eine ständig vorhandene feste bauliche Einrichtung – und ohne fremde Hilfe jederzeit begangen werden können. Er kann sich aus dem horizontalen Rettungsweg (notwendiger Flur), dem vertikalen Rettungsweg (notwendige Treppe) sowie ihren Ein- und Ausgängen zusammensetzen und muss in der Regel auf eine öffentliche Verkehrsfläche führen.

 

Zweiter Rettungsweg

Der zweite Rettungsweg kann entweder baulich sein – eine weitere ständig vorhandene bauliche Einrichtung – und muss dann ohne fremde Hilfe jederzeit begangen werden können oder er wird im Gefahrenfall durch Rettungsgeräte der Feuerwehr gestellt.

Möglicher zweiter Rettungsweg über Drehleiter

Notwendiger Treppenraum

Notwendige Treppenräume müssen so angeordnet und ausgebildet sein, dass die Nutzung der notwendigen Treppen im Brandfall ausreichend lang möglich ist.

Notwendige Flure

Flure, über die Rettungswege aus Aufenthaltsräumen oder aus Nutzungseinheiten[1] mit Aufenthaltsräumen zu Ausgängen in notwendige Treppenräume oder ins Freie führen (notwendige Flure), müssen so angeordnet und ausgebildet sein, dass die Nutzung im Brandfall ausreichend lange möglich ist.

Freihalten von Flucht- und Rettungswegen

Im Falle eines Brandes muss die Ausbreitung von Rauch und Flammen durch Brand- und Rauchschutztüren verhindert werden. Diese Türen dürfen auf keinen Fall durch Keile, Stühle o.ä. blockiert oder festgebunden werden. Schäden an Türen (etwa nicht vollständiges Schließen) müssen sofort der Hausverwaltung mitgeteilt werden.

In den Fluren dürfen keinerlei Gegenstände abgestellt werden, die die Brandlast erhöhen und im Notfall ein Fluchtweghindernis darstellen könnten (Papier, Möbel, Abfälle, usw,).

 

[1] Umgangssprachlich werden unter Nutzungseinheiten Bereiche verstanden, die gleichartig/vergleichbar genutzt werden oder in sich geschlossene (auch baulich begrenzte) funktionell zusammengehörige Bereiche umfassen (z. B. Wohnungen, Anwaltskanzleien, Arztpraxen usw.) Quelle: http://www.secupedia.info/wiki/Nutzungseinheit#ixzz3xJJMrsfY

Fluchtweglänge

Die ASR A2.3 regelt die Fluchtweglänge. Diese „muss möglichst kurz sein“ (ASR A2.3).

Tabelle Fluchtweglänge nach ASR A2.3

Tabelle: Fluchtweglänge nach ASR A2.3

Fluchtwegbreite

„Die Mindestbreite der Fluchtwege bemisst sich nach der Höchstzahl der Personen, die im Brandfall den Fluchtweg benutzen, und ergibt sich aus nachfolgender Tabelle:

Tabelle Fluchtbreite nach ASR A2.3

Tabelle Fluchtbreite nach ASR A2.3

Bei der Bemessung von Tür-, Flur- und Treppenbreiten sind sämtliche Räume und für die Flucht erforderliche und besonders gekennzeichneten Verkehrswege in Räumen zu berücksichtigen, die in den Fluchtweg münden. Tür-, Flur- und Treppenbreiten sind aufeinander abzustimmen.

Die Mindestbreite des Fluchtweges darf durch Einbauten oder Einrichtungen sowie in Richtung des Fluchtweges zu öffnende Türen nicht eingeengt werden. Eine Enschränkung der Mindestbreite der Flure von maximal 0,15 m an Türen kann vernachlässigt werden. Für Einzugsgebiete bis 5 Personen darf die lichte Breite jedoch an keiner Stelle weniger als 0,80 m betragen“ (ASR A2.3).

Aufgaben des Brandschutzbeauftragten

Der Brandschutzbeauftragte hat im Rahmen seiner Tätigkeiten eine kontrollierende Aufgabe. Z.B. muss er während eine Begehung auf die oben genannten Punkte achten, insbesondere auf die Forderung:

„Die Mindestbreite des Fluchtweges darf durch Einbauten oder Einrichtungen sowie in Richtung des Fluchtweges zu öffnende Türen nicht eingeengt werden“ (ASR A2.3)

Fluchtweg_Tisch und Stühle

Notausstieg UG